Buch
03B0
ROY BOSIER
Ballettänzer
Modedesigner
Clown
Buch
3B04

Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

Buch
06B13

Roy Bosier und Claudia Cardinale

  • Bildbeschrieb 

    Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

Spektakel ohnegleichen

Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
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    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
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    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
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    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Kostümbildner
    Patomime-Künstler
    Lehrer
    Bewegungstrainer
    Buch
    06B0
    Schauspieler
    Choreograf
    Vater
    Quartiergeist
    Physiotherapeut
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Buch
    07B0
    Spektakel Ohnegleichen
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    «Noch ein solcher Sieg, und wir sind verloren»
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Humor und Tragik in Pantomime
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Pantomime zum Nachdenken
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Tricks und Magie
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Peter Brogles Zauberzelt
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Kiste
    17B0
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Buch
    18B0
    L'art de mime
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Kiste
    20B0
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstellungen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zerrissen zwischen Engagements in Italien, Spanien, Deutschland, zieht er sich zurück. Nach Zürich. Das auf ihn gewartet hat, schon lange. Seit 1954 war Bosier auf der Durchreise immer wieder am Schauspielhaus tätig gewesen; ihn exklusiv ans Haus zu binden, gelingt erst 1987. Seitdem ist er hier der einzig feste Choreograf und Bewegungslehrer für Fechten, Akrobatik, Kampfszenen, Schlägereien …

    Den Unterricht sieht er philosophisch: «Ein guter Pädagoge beobachtet den Schauspieler und hilft ihm zu finden, was er kann, wie er sich fallen lassen kann.» Fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen, fallen, sich fallen lassen und wieder aufstehen … von wem könnte man das besser lernen als von einem, der die Energie des Falls in seinem Leben dazu genutzt hat, auf eigenen Beinen zu stehen?

  • Anhang
    00B03

    11. Oktober 2006

    Neue Zürcher Zeitung, Daniele Muscionico

    For Roy

    I met Roy in the fall of 1972 in Rome. Jurgen Muller insisted I come visit Teatro Studio to meet the clown/mime he was taking classes with. «He might give you a job», he said. That was something I desperately needed, so I jumped in my little red Opel station wagon, drove up the Gianicolo, walked through the hidden garden by the goldfish pool, climbed up the winding staircase, and sat waiting outside the studio door. From inside came a somewhat frightening voice yelling «Un, deux, trois, quatre!» Sounds like boot camp, I thought. Suddenly the door burst open and out came a man with wild curls surrounding a shiny bald head, looking vaguely like Beethoven in an inspired moment. Then he smiled, and everything changed. He shook my hand, and in his few words of English asked me if I could teach acrobatics. I said yes. Can you start Monday? Yes. So began a collaboration and a friendship that was to influence and inspire me for much of the next 30 years.

    During Christmas, classes at Teatro studio would break for the holidays. Roy and most of the students we’re going off to Switzerland and points north for the next few weeks. My income would also be taking a holiday. When I came into the studio for my final class, I found a table piled high with non-perishable food. Roy and the students, knowing that I was living day to day (as were many of them), had bought boxes, cans and packages of pasta, sauce, vegetables, and other delectables to feed me until classes would start up again. This was the first of many, many times that I would be the recipient of Roy’s enormous generosity.

    In February of 1973 Roy and a handful of clowns – me among them – were headed north for a month-long tour of Switzerland. Roy’s grey Ford Taunus was piled high with props, scenery and costumes. We had reached the foot of the alps and were waiting to put the car on the train that would take us through the tunnel to Something-dorf, but our timing was off, and we would have to wait hours until the next train. As I sat in the car stewing with American impatience, I suddenly saw an enormous soap bubble drift up towards the mountain. Then another, and another. Roy had unpacked the props, taken out the dish soap and giant ring, and was creating a bubble show for the waiting cars. You can’t stop a clown from having a good time!

    In addition to our tour of the kleintheaters of Switzerland, it turned out that Roy had set up some children’s party performances. «Here’s what we’re going to do», he said, as we headed off to our first one. Rehearsal, warum? There was some kind of gag involving a long sleeve that he had wrapped around his waist, a very vague scenario, and off we went.  We were called Biff and Boff, and basically we were playing a one-ups-man-ship game, or what Roy liked to call «sempre di piu».  I marveled at how Roy could create little stories out of nothing with an intensity that brought a room full of children along with him. «Biff, Biff, Biff», they would yell. I took that as a challenge, and by the third show, some of them were yelling «Boff, Boff, Boff» as well. Roy loved it, since the more we challenged each other, the more exciting the shows became. I think I learned more from those little improvised performances, alone on the stage with Roy, than I did from the whole rest of the tour.

    Roy’s ability to dominate the stage was amazing, yet he was an infinitely generous partner. If you were on stage with Roy, you would shine as much as he would shine. I always felt comfortable, whether the show was elaborately rehearsed, or slapped together the day before (and there were plenty of those!) I knew that Roy would make the scene work, and that he trusted me to do the same. If we got lost, one of us would find a way forward, and the other would follow. We were not ideal partners – our characters did not necessarily set each other off. But there was an electricity that always happened between us that made whatever we did exciting. And we always had fun.

    Sometime in the 1980’s, Julie Goell, Roy and I ran away to Ticino to prepare for our next tour. Someone had given Roy a set of magician’s nesting bottles, and he and I were trying to put them into a clown number. There were two tubes, and I don’t know how many bottles that we had to make appear. We were making a mess trying to sort out who did what when. Then Julie, with her unique insight, said «Try being Chinese.» So we both changed our postures, drew on our memories of Kung-fu movies, began inventing «ancient wise man say…» proverbs, and spent the rest of the evening laughing so hard that we all had to run to the bathroom repeatedly. And so was born the Chinese Bottle number that became one of our (and our audience’s) favorites.

    When I began teaching at Roy’s summer clown/mime school, Il Viaggio del Mimo, I took a look at the collection of teachers – all from different countries, all working in different styles, all with different approaches to teaching – and thought “This will never work!”  But in fact it did work, and the reason it worked was Roy. The variety of people that he was able to bring joyously together made it one of the most influential schools of its time. Much of Roy’s teaching was by example. However, when he demonstrated how to do something, he didn’t expect imitation. He was much happier if his example inspired you to do something that was all your own. That is why so many different kinds of performers and non-performers came to take his courses, and why so many students went on to have careers performing original and innovative work.

    If I had to pick one performance of Roy’s that shone above all others, that brought together all of his talents as a mime, as a clown and as an actor, it would be «Act Without Words», directed by Giorgio Strehler.  In Roy’s interpretation this absurdist solo one-act play became an embodiment of the human tragedy. Looking back on it all, however, I see a kind of irony. Becket’s picture of a hopeless, isolated, meaningless life could not be more opposite to the life Roy lived, so full of joy, love, creativity and an unending generosity of spirit for his family, friends, students, and the many, many people who were lucky enough to watch him perform.

  • Anhang
    00B04

    28.September 2020

    Don Jordan

    Teatro Studio
    Buch
    3B04

    Foto: Julie Goell (links) und Roy Bosier (rechts)

    Buch
    06B13

    Roy Bosier und Claudia Cardinale

    • Bildbeschrieb 

      Auserlesene Unterhaltung: «Peter Brogles Schaubude»

    Spektakel ohnegleichen

    Seit Donnerstag gastiert Peter Brogles Schaubude auf der Schanze, St.-Ursen-Bastion, in Solothurn. Die Schaubuden-Mimen, Musiker, Clowns, Schauspieler, Sänger, Akrobaten unterhalten das Publikum bis zum 8. August mit «Sensationen, Illusionen, Konstruktionen, Destruktionen, Billionen, Depressionen». Und das auf bestechende Weise.

    Die Schaubude ist ein Spektakel ohnegleichen, das Programm glänzend serviert, eine Mischung aus Theater, Variété, Budenzauber und Zirkus. Das «hochgeehrte Publikum» wird in eine grenzenlos schöne Welt toller Verspieltheiten» entführt: Menschen werden hervorgezaubert und verschwinden auf ebenso unbegreifliche Weise. Eine Dame wird in drei (fast) gleiche Teile «zersägt» und führt dem erstaunten Publikum anschliessend verrückte Tänze vor – ein Phänomen, unbeschreiblich faszinierend. «Direktor» Peter Brogle, der mit seinen «gut dressierten» Leuten die Ehre hat, Vorstellungen zu geben, übertreibt nicht, wenn er im Programmheft sich über die eigene Vorstellung mit den Worten «Da ich mit Recht sagen kann, dass ich in dieser Aufführung keine Konkurrenz habe…», äusserst. Während im ersten Teil des Programms das Variétéhafte dominiert, wird das Publikum im zweiten Teil durch das Illusionistische in den Bann gezogen: köstlicher Tingeltangel – riesige Show: Schaustellerei, Verwandlungskunst – Nachdenkliches. Das gesamte Programm zu beschreiben, erscheint unmöglich; man muss es gesehen haben.

    Ein begeistertes Publikum klatschte sich an der Premiere vom Donnerstag die Hände wund. Peter Brogle möchte mit seiner Schaubude «dem Publikum Vergnügen bereiten, ein Lächeln oder ein Lachen abgewinnen, die Zuschauer zum Staunen bringen und sie zwischendurch auch ein wenig nachdenklich stimmen» – was ihm voll und ganz gelingt. 

  • Buch
    07B01

    August 1989

    Solothurner Zeitung

    Ursula Jeger

    Buch
    07B05

    Humor und Tragik
    in Pantomime

    «I GESTI DI ROMA» gastieren im Feierabendhaus Ludwigshafen

    Nach dem Thema einer der vielen, sehr verschiedenartigen Szenen nennen die Pantomimen «I GESTI DI ROMA» ihr Programm «Der Pyrrhus-Sieg». Im Feierabendhaus Ludwigshafen war das Ensemble zu Gast, ein guter Ruf fing ihm voraus, denn es war beim Berliner Theatertreffen wir bei den Maifestspielen in Wiesbaden sehr erfolgreich. Man lernte der Pantomimen kennen, die zu den besten ihres Fachs gehören. Vielseitig begabt, erwiesen sie sich als humorvolle Spassmacher, virtuos in der Körperbeherrschung und tiefsinnig in der Gestaltung von Menschen unserer Zeit.

    Ein «Pyrrhus-Sieg» ist der Gewinn einer Gold-Medallie. Der umjubelte Sportler gerät schnell in Vergessenheit, immer wieder poliert er seine blitzende Auszeichnung, doch andere Rekorde haben ihn längst unbedeutend und für die Menge uninteressant gemacht.

    In der Szene «Rendez-vous» hat sich ein Paar an einem belebten Platz in einer Grossstadt verabredet. Sie sehen sich, können sich wegen des sie trennenden Verkehrsbetriebs aber nicht erreichen. Nun hasten sie durch die Strassen, Unterführungen, Übergänge, um schliesslich wieder am Ausgangspunkt zu landen. Es gibt kein Zusammenkommen.

    Vor dem Fernsehgerät sitzen drei Menschen. Wie erstarrt, wie isoliert sie sind, wird durch die Masken verdeutlicht, die ihre Gesichter verbergen. Sie sind keine Individuen mehr, wurden Teil der beherrschenden Technik. Die drei Akteure: Juli Goell ist Amerikanerin, gründete in Boston das «Pocket Mime Theatre», trat in Rom als Schauspielerin auf. Roy Bosier ist ein in Schottland geborener Schweizer, der in Zürich als Solotänzer bekannt wurde und in Italien in zahlreichen Filmen mitwirkte, auch in Fellinis «die Clowns». Don Jordan kam von Amerika nach Frankreich, trat in der «Comédie Francaise» auf, war Mitglied der Schweizer Gruppe «Mummenschanz» und gesellte sich zu den «I GESTI».

    Sie weckten in Ludwigshafen Lachstürme als drollige Clowns, als komische Jongleure und mit der Parodie auf Zauberkünstler. «Die Schwarze Spinne»  war mit Abstand die stärkste Leistung. Wie Juli Goell ohne Requisiten, lediglich durch völlig überzeugende Gesten und die Bewegungen ihres gelenkigen Körpers zeigte, wie eine Spinne ihr Netz knüpft, das Männchen (Roy Bosier) tötet und als ausgesaugte Hülle zurücklässt, um dann im Mittelpunkt ihres Netzes auf Beute zu lauern, das war Pantomime in höchster Vollendung.

    Leider stand diese virtuose Nummer am Schluss des ersten Teils, der zweite, von dem man sich Steigerungen erwartet hatte, enttäuschte dann ein wenig. Doch das animierte Publikum spendete den stürmischen Schlussbeifall, der dem Gesamt-Programm durchaus gebührte.

  • Buch
    07B06

    Unbekannt

    Pantomime zum Nachdenken

    Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett und Kurzweil

    Sie setzen sich Masken auf und halten uns den Spiegel vor. Trotzdem – kein Lehrstück für Wohlstandsbürger, sondern clowneske Spielereien mit menschlichen Eigenarten. Auch wenn das Lachen gelegentlich im Halse stecken blieb, der Pantomimeabend von «I Gesti di Roma» war köstliche Kurzweil.

    Roy Bosier hat «I Gesti di Roma» gegründet. Erster Tänzer im Zürcher Opernballett, Filme mit Sergio Leone, Polansky und Fellini (von Bosier stammt u.a. die Choreographie zu «Satyricon»), Studien bei Marcel Marceau – einige Stationen aus seinem Leben. Partnerin Julie Goell kommt aus den USA, Hat dort studiert und ein Theater gegründet, arbeitet heute häufig beim Film. Der dritte Pantomime ist Dan Jordon, ebenfalls Amerikaner, Lecoq-Schüler und bis vor kurzem in der weltbekannten Gruppe «Mummenschanz» engagiert.

    Das Programm der drei brillanten Künstler ist eine Mixtur aus Commedia dell'arte, Burleske, Kabarett, Mimik und Tanz. Alles wirkt improvisiert und doch perfekt. Sie spielen dabei weniger für, denn mit dem Publikum.

    Ein wichtiger Aspekt: das Moment der Überraschung. So beginnt der Abend auch: Die Pantomimen erscheinen im Parkett und schaffen erstmals Verwirrung. Sie verteilen Kekse, telefonieren und suchen die Künstler. Als diese auf sich warten lassen, ergreifen sie selbst die Initiative und erklimmen vorsichtig die Bühne.

    Roy Bosier als egozentrischer Pianist (hier kommt sein Charakterkopf besonders zur Wirkung), Julie Goell in Gestalt einer schwarzen Spinne, die täuschend echt ein Netz knüpft und sich wie so oft, als enorm verwandlungsfähiges Energiebündel entpuppt. Oder Dan Jordan, ein verträumter Jongleur, frei nach Charlie Chaplin. Im Trio sind sie noch besser. Eine chinesische Zaubershow stellt dies hervorragend unter Beweis. Spitzig, vital und komödiantisch.

    Sie malen eine Welt, makaber, grausig und grotesk, in der es noch um Leistung und Auslese geht. Die Technik beherrscht den Menschen. Eine fantasievoll gestaltete Wohlstandssinfonie, die kein gutes Ende finden kann. «I Gesti di Roma» parodiert, persifliert und pervertiert den Fluch der Zivilisation.

    Viel Beifall und Bravos für einen aussergewöhnlichen Abend: Pantomime als intelligenter Spass zum Nachdenken.

  • Buch
    07B08

    Montag, 10. Dezember 1979

    Landeszeitung

    hjr

    Buch
    07B12

    24.09.1980

    Kölner Stadt-Anzeiger

    Buch
    07B13
    Buch
    07B17

    11. Mai 1979

    Wochenblatt des sozialen Kapitals

    Peter Brogles Schaubude

    Bild links oben: Peter Brogle 

    Bild rechts oben: Christoph Marthaler (links), Dodo Hug (ganz rechts), Julia Goell (zweite von rechts)

    Bild unten: Roy Bosier (unten links), Julie Goell (mitte), Christoph Marthaler (oben rechts), Dodo Hug (unten mitte)

    • Bildbeschrieb 01

      Mimen als Musiker, Dominic von Gurten, Madame Ddodo, Julie Goell, C. Traugott Marthaler, Roy Bosier.

    • Bildbeschrieb 02

      Die vom SchauBuden-Direktor dreifach zersägte Jungfrau leidet still und augenrollend vor sich hin.

    • Bildbeschrieb 03

      «I love Paris in the morning …» der Uraltevergreen in der Version des «einmaligen Musikdirektors, Herrn Traugott», mit bürgerlichem Namen Marhaler.

    • Bildbeschrieb 04

      Die 7. Generation der Landi-Sisters: Madame Dodo mit Gipsbein und Piaftimbre und «das inernationale Medium» Julie Goell, unterstützt von Kraftmeier Dominic von Gunten.

    • Bildbeschrieb 05

      Lebendige Abnormitäten waren schon immer die besondere Attraktion der SchauBude.

    Buch
    07B18
    Kiste
    17B03
    Kiste
    17B05
    Buch
    18B19

    1963

    Rom

    Film «L'art de mime»

    Les marches

    Kiste
    20B01

    Roy Bosier und Blanche Cardinale

    Kiste
    20B06

    Teatro Studio

    Roy mit Schülern

    Roy Bosier (links), Claudio Conti (zweiter von links), Lidia Biondi (zweite von rechts), Alessandra dal sasso (ganz rechts)

    Kiste
    20B10

    Roy Bosier und Julie Goell

    Kiste
    20B12

    1962/63

    Mimestudie Actorstudio Rome

    Kiste
    20B15

    1968

    Kleiner Freund

    Pantomime di Roy Bosier

    Red Briefcase
    24B06

    Don Jordan (links), Max Ramp (mitte oben),

    Roy Bosier (mitte unten), Julie Goell (rechts)

    Red Briefcase
    24B15

    20.Juni 1967

    B
    Red Briefcase
    24B24

    1971

    Drehbuch

    Der Rote Blau

    Red Briefcase
    24B28

    Roy Bosier in Becketts Akt ohne Worte

    Regie: Giorgio Strehler

    Red Briefcase
    24B29
    Red Briefcase
    24B32

    10. Mai 1980

    Brief an Manfred Neu

    Theater in der Garage

    Neues Programm I GESTI DI ROMA

    Kiste
    24B01

    FBI - Francesco Bertolazzi investigatore, TV Miniserie 1970

    Roy Bosier (links) und Ugo Tognazzi (rechts)

    Kiste
    24B04

    Compagnia Mimi di Roma

    Copyright by Blanche Cardinale, Roma

    Kiste
    24B06

    Teatro Studio

    Alessandra dal Sasso (ganz links), Lidia Biondi (zweite von links), Roy Bosier (zweiter von rechts)

    Roy war ein grosser Künstler und wunderbarer Meister der Pantomime und des Lebens.

    Die Kunst der Pantomime und der Clownerie kam ihm natürlich, wie eine perfekte Kombination aus Technik und Poesie. Bei der Arbeit war er immer offen, dennoch in bestimmten Punkten einfach kompromisslos: Aufmerksamkeit, Hingabe und Pünktlichkeit. Roy fand Lösungsschlüssel zu allerlei möglichen Problemen. «Ich weiss, wie man’s macht», sagte er immer – und es stimmte! Er fand Lösungen mit grosser Einfachheit und Lebensfreude, was eigentlich die Grundlage seiner gesamten Existenz war. Seine positive Einstellung flösste uns allen eine ungeheure Menge Energie ein. Es verband uns eine tiefe Freundschaft und ich danke ihm für alles, was er mich als Künstler und Mensch gelehrt hat. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Roy wusste Qualen und Zweifel zu deuten. Er wusste, wie man zuhört, wie man Horizonte öffnet und wie man vorbehaltlos liebt. Roy hat mich mit einer inneren Disziplin ausgestattet und mein Selbstvertrauen gestärkt, er hat in mir ein Selbstwertgefühl zum Vorschein gebracht, von dem ich vorher nicht wusste, dass dieses überhaupt in mir steckt. Ich hatte grosses Glück, ihm auf meinem Weg zu begegnen, denn er veränderte den Lauf des Lebens von uns allen – Studenten und Mitarbeiter. Und das, obwohl es das Schicksal hart mit ihm meinte. Trotz körperlicher Schwierigkeiten, Roy suhlte sich nie im Selbstmitleid. Im Gegenteil, jede seiner «GESTEN» drückte Stolz, Würde und Ironie aus. Sein Haus in Rom sah aus wie ein origineller, fröhlicher, bizarrer Vergnügungspark, geschmückt mit bunten Glühbirnen, welche bei jedem Klingeln der Tür und des Telefons aufleuchteten. Roys ganzes Leben war und bleibt ein künstlerischer und kreativer Ausdruck, gekrönt von seinem begehrtesten Geschenk: Seiner geliebten Tochter Sara.

    Alessandra dal Sasso

    Black Briefcase
    27B03

    1. Juli 1956

    Komödie Basel

     

     

    • Bildbeschrieb 

      Bringt Schauspielern das «Prügeln» bei: Roy Bosier aus der Schweiz

    Zur Person

    Die Sprache des Körpers

    Ein ausdrucksstarkes Gesicht; dunkle, wache Augen, die jede Regung begierlich aufnehmen. Indizien, die für Roy Bosier unverzichtbar sind. Sie prägen sein Leben. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet der 56-jährige Schweizer mit offenem Lachen und einer langen Aufzählung: Tänzer, Clown, Choreograf, Regisseur, Physiotherapeut, Schauspieler, Kampftrainer, Modeschöpfer und und und …

    Ebenso lang ist die Liste der Regisseure, mit denen Bosier als Schauspieler oder Bewegungstrainer zusammengearbeitet hat: Leone, Fellini, Visconti, Polanski, Lina Wertmüller, Strehler, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Einen Eindruck von der Exaktheit seiner Arbeit gewinnt, wer sich die Schlägereien in Leones Film «Spiel mir das Lied vom Tod» ansieht. Zur Zeit leitet Bosier am Hamburger Schauspielhaus in Michael Bogdanovs Reinecke-Fuchs-Produktion das Training der Schauspieler. Zu Saisonbeginn wirkte er bei «Edmund» mit, und auch die Prügelszenen in «Liebestoll» tragen seine Handschrift.

    Körpersprache und Bewegungsabläufe standen schon immer im Mittelpunkt seines Interesses. Sie erzählen ihm mehr über einen Menschen als dessen Biografie. Bereits mit vier Jahren lernte der Schweizer tanzen, seit seinem 21. Lebensjahr trainiert er Schauspieler und Tänzer. Jahrelang war er ausserdem in Paris als Modeschöpfer tätig. Ende der 50er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf. Ihm fehlte es an der nötigen Zeit. Aber hin und wieder lässt er es sich nicht nehmen, für eine Produktion die Kostüme zu entwerfen.

    Mit 20 Jahren begann er eine Ausbildung als Physiotherapeut, machte eine eigene Praxis auf, in der er auch heute nur noch einmal in der Woche arbeitet. In jedem Sommer, wenn die Theater Ferien machen, bietet der 56-Jährige in der Nähe von Florenz Kurse in verschiedenen Disziplinen an.

    Seit etwa zwei Jahren kommt Bosier kaum noch zur Ruhe. Bei elf bis dreizehn Produktionen im Jahr bleibt ihm wenig Zeit für seine Frau und seine kleine Tochter Sarah, die in Zürich leben. Er ist ein ewig Reisender zwischen Paris, Rom, Mailand, Zürich, Stuttgart und Hamburg.

  • Black Briefcase
    27B10

    4. April 1987

    Die Welt – Nr. 80 

    Foto: Helferich

    Black Briefcase
    27B19

    1974

    Steppenwolf

    Regie: Fred Haines

    Kiste
    33B01

    1967, Italien 

    7 donne per i McGregors

    Regie: Franco Giraldi

    Roy Bosier als Apache (mitte)

    Buch
    41B03
    Anhang
    00B01

    Olli Hauenstein, Sara Bosshard, Roy Bosier

    Nachruf Roy Bosier

    Wer ihn gekannt hat, gibt dem Satz auf der Todesanzeige recht: «Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen.»

    Vor dreizehn Jahren lernte ich Roy Bosier kennen. Er suchte einen Nachfolger für die Kinderakrobatik im GZ Altstadthaus, wo der damals über sechzigjährige Roy noch Purzelbäume und Strecksprünge selber vorturnte. Im kleinen Souterrain des Altstadthauses herrschten klare Strukturen; Disziplin war eines der Worte, welches den kleinen Kinderohren beharrlich vertraut gemacht wurde. «Disziplin» sagte Roy, doch Sanftmut und Mitgefühl sprachen seine Augen. Seine grosse Menschenkenntnis sowie sein ausserordentliches Gespür machten ihn zu einem grossen Lehrmeister, der es verstand, Menschen zu führen, und er wusste, worauf es ankam: Beharrlichkeit, Direktheit, immer ein offenes Ohr und einen wohlgemeinten Rat, Bescheidenheit, Fürsorglichkeit und vor allem eine Extraportion Humor.

    Gelacht wurde viel in der kleinen Wohnung am Predigerplatz, bei einem Kaffee oder einem Teller Spaghetti. Wann immer ich spontan zu Besuch kam, erwies sich Roy als höflicher Gastgeber, interessierter Gesellschafter und leidenschaftlicher Humorist.

    Mit Leidenschaft hat denn auch Roy Bosier seinen glamourösen Lebensweg beschritten: 1931 in Schottland geboren, verliert er mit vier Jahren nahezu sein ganzes Gehör und bekommt drei Jahre später, als die Familie in die Schweiz zurückkehrt, Förderung im Lippenlesen. Es folgt ein Handelsdiplom, Ballettstunden, eine Handwerkslehre als Kürschner und der Abschluss der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Von dort geht es nach Paris, wo er an der Seite von Pierre Cardin zunächst als Praktikant, später als Mitarbeiter dessen Modekollektion entwirft. Gleichzeitig lässt sich Roy von Altmeister Etienne Decroux als Pantomime ausbilden und trifft dort auf Jean-Louis Barrault, Giorgio Strehler und Marcel Marceau, die bald zu seinen grössten Förderern zählen. Marceau empfiehlt ihn als Lehrer an die römische Filmschauspielschule, wo er unter anderem Claudia Cardinale unterrichtet. Es folgen Filme mit Sergio Leone, Roman Polanski und Frederico Fellini, sowie Engagements am Piccolo Teatro Milano und die Gründung seiner eigenen Schule, dem Teatro Studio in Rom.

    Später zieht es Roy nach Zürich zurück, an den Predigerplatz, wo er eine Familie gründet und seine Tochter Sara 1983 zur Welt kommt. Jetzt verpflichtet sich Roy dem Schauspielhaus Zürich als Choreograph, Fechtmeister und Körpertrainer und spielt gelegentlich selbst.

    Mittlerweile hat sich Roy als Physiotherapeut weitergebildet und eignet sich bis zuletzt zahlreiche Heilpraktiken an, um seine «guten Hände» in den Dienst der unmittelbaren Menschlichkeit zu stellen. Auch in diesem Sinne gründet er den Turnverein der Altstadt.

    Roy hat die Menschen studiert, die Kunst und das Leben; selten trifft man jemand mit solch einer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit, mit solch wachen und blitzenden Augen und einem so fröhlichen und grossen Herz.

    Alles, was er bekommen hat, hat er weitergegeben. Einer der ganz grossen Lehrer und Menschen ist da gegangen, aus unserer Mitte, hier in der Altstadt. – So werde ich den Duft seiner Tabakpfeife in den Gassen und sein liebevolles «Ciao ciao» vermissen.

  • Anhang
    00B02

    Oktober 2006
    Altstadt Kurier, Tom Tafel

    Roy Bosier, Choreograf – Schattenmann des cineastischen Hochadels

    Viele schätzen seine Gegenwart, wenige kennen seine Vergangenheit, die glamouröse Karriere von Roy Bosier, seit 1954 temporär, seit 1987 exklusiv Choreograf am Schauspielhaus - und seit je: Zudiener des Lichts und der schönen Gesellschaft. Ab Samstag wird er in Meret Matters Inszenierung von «Wilhelm Tell» am Pfauen für einmal zu sehen sein. In einer stummen Rolle.

    Es gibt Menschen und Menschen. Zu Letzteren gehört Roy Bosier. Einer, der wenig Platz braucht, sich wenig Platz nimmt, doch wenn er sich dort regt, sollte man genau hinsehen. Dann wächst der Mime und Nebendarsteller Bosier in den Hauptdarsteller Bosier hinein, der er geworden wäre, hätte er selber am Rad des Schicksals gedreht. Das Schicksal aber wählt seinen eigenen Kurs. Und so musste, 1935 in Schottland, ein vierjähriges Kind durch Krankheit nahezu sein gesamtes Gehör verlieren. Um drei Jahre später, als Flüchtling in einem Kinderheim in Lenzerheide, zum dritten Mal neu sprechen und zweifach neu lesen zu lernen. Nun auch von den Lippen. «Es war», sagt Roy Bosier später, «eine furchtbare Zeit!» Heute könnte er das in nicht weniger als in viereinhalb Sprachen äussern (plus in Ungarisch und Schwedisch, das er sich aus amourösen Gründen beigebracht hat).

    Den Fallstrick in die Strickleiter, das Furchtbare ins Fruchtbare wenden, das scheint Bosiers Talent. Talent? Damit kann er wuchern: In Zürich besucht er die Modeklasse der damaligen Kunstgewerbeschule und wird von dort nach Paris gerufen. Von Pierre Cardin! Er entwirft Kostüme für die «Folies-Bergère», arbeitet vor Modeschauen von morgens sechs Uhr bis nachts um zwei, hat Erfolg links, bekommt Applaus rechts - und findet das alles bald ziemlich öde. Zu wenig kreativ. Viel mehr interessiert ihn die «Mime corporel dramatique», das Dramakonzept, das er bei Etienne Decroux lernt. Zeit seines Lebens ist der grosse Meister auf der Suche nach Methoden der Körperarbeit, die es dem Bühnendarsteller ermöglichen, seinen physischen Ausdruck ebenso präzise zu beherrschen wie der Sprechschauspieler seine Stimme. Genau das deckt sich mit Bosiers Wunsch und Suche; er wird erkannt, in seiner ausserordentlichen Intuition und in seiner pädagogischen Begabung: Die Decroux-Schüler Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault und Giorgio Strehler zählen bald zu den grössten Förderern von Pierre Cardins Noch-Modeschöpfer - Bosiers zweites Leben beginnt.

    Marceau empfiehlt ihn an die römische Filmschauspielschule VIDES - und Bosier wird der Lehrer aufstrebender Kinohoffnungen: Claudia Cardinale, Ugo Tognazzi, Rosanna Schiaffino, Paola Pitagora. 1963 gründet er gemeinsam mit dem damaligen Presidente der RAI Televisione Italiana seine eigene Schule, das Teatro Studio Roma. Bald braucht der Maestro svizzero mit der sprichwörtlichen Menschenkenntnis und mit Decroux im Gepäck mehr Hände, als er hat, um die Angebote aus Film und Theater auszuschlagen. «Ja» sagt er zum Regisseur Sergio Leone, der ihn verschiedentlich, neben Rod Steiger und James Coburn in «Giù la testa» («Die Todesmelodie»), vor die Kamera bittet. «Ja» erwidert er auch Federico Fellini, der sich ihn als Choreografen wünscht, für «Satyricon», «Roma» «The Clowns»…

    Daneben bildet er sich weiter, immer weiter, wird auch Physiotherapeut und massiert, morgens um sechs Uhr früh, bevor er als Direttore des Teatro Studio amtet, Privatpatienten wie den italienischen Produzentenmogul Dino di Laurentiis. Als Giorgio Strehler ihn nach Mailand einlädt und als Beckett-Schauspieler auf die Bühne des Piccolo Teatro holt, beschliesst Bosier: «Basta! Finito!» Nach rund 400 umjubelten Vorstel